Ordnung statt Verbot

Schatten-KI im Zulieferbetrieb: ChatGPT-Nutzung regeln statt verbieten

sensified AI zeigt, wie Zulieferer die längst verbreitete ChatGPT®-Nutzung im Haus ordnen: Inventur, Schutzklassen für Konstruktionsdaten und ein 90-Tage-Pfad zu Richtlinie, Alternative und Schulung.

Schatten-KI im Zulieferbetrieb: ChatGPT-Nutzung regeln statt verbieten

Ein Geschäftsführer eines Tier-1-Zulieferers erzählt es im Vertrauen: Beim Rundgang durch die Arbeitsvorbereitung sah er auf einem Bildschirm ein Chatfenster, daneben die Bemaßungsskizze eines Kundenteils. Der Mitarbeiter hatte die Zeichnungsangaben in ein öffentliches KI-Tool getippt, um schneller eine Prüfanweisung zu formulieren. Gute Absicht, echtes Problem: Die Angaben stammen aus einer Kundenzeichnung, die unter einer Vertraulichkeitsvereinbarung mit dem OEM steht. Niemand hatte etwas erlaubt, niemand hatte etwas verboten, und genau dieser ungeregelte Zwischenraum ist der Normalzustand in vielen Häusern.

Wie ein Unternehmen Schatten-KI grundsätzlich ordnet, beschreibt der Beitrag Schatten-KI im Unternehmen steuern: Inventur, Governance, Richtlinien. Dieser Artikel vertieft die Frage für Automobilzulieferer, denn dort geht es um mehr als Datenschutz: Konstruktionsdaten und Kundenzeichnungen in fremden Tools berühren die Vertraulichkeitszusagen gegenüber OEMs und den TISAX®-Rahmen. Geschäftsführung und IT-Leitung finden hier den Weg von der stillen Duldung zur geregelten Nutzung.

  • Was ist das? Ein Ordnungspfad für die ungeregelte Nutzung von ChatGPT und ähnlichen Tools im Zulieferbetrieb: Inventur, Schutzklassen für Daten, Richtlinie, freigegebene Alternative und Schulung.
  • Warum jetzt relevant? Laut Bitkom hat sich der Anteil der Unternehmen, in denen private KI-Nutzung weit verbreitet ist, von 2024 auf 2025 auf 8 Prozent verdoppelt; rund vier von zehn Unternehmen wissen oder vermuten, dass Beschäftigte private KI-Zugänge nutzen.
  • Welches konkrete Ergebnis? Eine Schutzklassen-Logik, die Konstruktions- und Kundendaten absichert, und ein 90-Tage-Pfad, an dessen Ende eine auditfähige Regelung steht.

Wenn Mitarbeitende ChatGPT mit Konstruktionsdaten nutzen, ist die wirksame Antwort eine geregelte Freigabe und kein pauschales Verbot. Der Weg führt über vier Schritte: eine Inventur der tatsächlich genutzten Tools und der betroffenen Daten, Schutzklassen, die je Datenklasse den zulässigen KI-Einsatz festlegen, eine freigegebene Alternative mit vertraglich gesichertem Datenraum sowie eine Schulung der Beschäftigten gemäß Art. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689. Für Automobilzulieferer gilt eine Besonderheit: Kundenzeichnungen und Konstruktionsdaten in fremden Tools berühren OEM-Vertraulichkeitsvereinbarungen und den TISAX-Rahmen, über die DSGVO hinaus. Ein 90-Tage-Ordnungspfad bringt diese vier Schritte in eine machbare Reihenfolge.

  • Was: ein geführter Weg von ungeregelter ChatGPT-Nutzung zu einer Regelung, die Beschäftigte mitnimmt und Kundendaten schützt.
  • Wer profitiert: Geschäftsführung und IT-Leitung von Automobilzulieferern mit 250 bis 2.000 Mitarbeitenden im DACH-Raum.
  • Welches Ergebnis: eine KI-Richtlinie mit Schutzklassen, eine freigegebene Alternative im Alltag und Auskunftsfähigkeit gegenüber OEM und TISAX-Prüfern.

Quelle: sensified AI, strategische KI-Leitung für den Mittelstand, 2026.

Kennzahl Wert Quelle / Stand
Unternehmen, in denen private KI-Nutzung durch Beschäftigte weit verbreitet ist 8 % (2024: 4 %) Bitkom, 2025
Unternehmen, die Schatten-KI im eigenen Haus kennen oder vermuten rund 4 von 10 Bitkom, 2025
Unternehmen mit Regeln für den Einsatz generativer KI 23 % (2024: 15 %) Bitkom, 2025
KI-Nutzende, die eigene KI-Tools zur Arbeit mitbringen (BYOAI) 78 % Microsoft und LinkedIn, Work Trend Index, 2024

Die Zahlen dienen der Orientierung; maßgeblich ist die tatsächliche Nutzungs- und Datenlage in Ihrem Haus.

  • Schatten-KI ist kein Disziplinproblem der Beschäftigten. Sie ist das Symptom einer fehlenden Regelung und eines fehlenden freigegebenen Angebots.
  • Beim Zulieferer entscheidet die Datenklasse über das Risiko: Eine Kundenzeichnung in einem fremden Tool wiegt vertraglich schwerer als eine allgemeine Textkorrektur.
  • Eine Regelung trägt nur, wenn sie drei Dinge verbindet: klare Schutzklassen, eine brauchbare Alternative und eine Schulung, die beides erklärt.

Quelle: sensified AI, 2026.

Warum Verbote gegen Schatten-KI im Zulieferbetrieb scheitern

Der erste Reflex vieler Führungskreise ist nachvollziehbar: Wenn Beschäftigte Kundendaten in fremde Tools tippen, wird der Zugang gesperrt. Der Reflex verkennt, warum die Nutzung entstanden ist. Beschäftigte greifen zu ChatGPT, weil es ihnen in Minuten Arbeit abnimmt, für die es im Haus kein freigegebenes Werkzeug gibt. Ein Verbot beseitigt dieses Motiv nicht, es verlagert nur den Ort der Nutzung.

Der Verbotsreflex und seine Nebenwirkung

Wer den Zugriff im Firmennetz sperrt, verschiebt die Nutzung auf das private Smartphone und in den Feierabend. Die Daten fließen weiter, nur ohne jede Sichtbarkeit für IT-Leitung und Geschäftsführung. Aus einem Zustand, in dem das Haus wenigstens wissen könnte, was geschieht, wird ein Zustand, in dem es das nicht mehr kann. Für einen Betrieb, der gegenüber seinen Kunden Auskunftsfähigkeit über den Umgang mit vertraulichen Daten zusichert, ist das die schlechteste aller Varianten.

Was die Zahlen über das Ausmaß sagen

Die Verbreitung ist belegt. Bitkom hat 2025 in einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen erhoben: In 8 Prozent der Unternehmen ist die private KI-Nutzung durch Beschäftigte weit verbreitet, doppelt so viele wie 2024; weitere 17 Prozent sehen Einzelfälle, noch einmal 17 Prozent vermuten die Nutzung. Nur 29 Prozent schließen sie aus. Zugleich stellen erst 26 Prozent der Unternehmen einen offiziellen Zugang bereit, und 23 Prozent haben Regeln aufgestellt. Der Work Trend Index von Microsoft und LinkedIn ergänzt das Bild aus Sicht der Beschäftigten: 78 Prozent der KI-Nutzenden bringen eigene Tools mit zur Arbeit, und 52 Prozent geben die Nutzung bei wichtigen Aufgaben ungern zu. Die Nutzung ist also da, sie ist überwiegend ungeregelt, und sie ist teilweise verdeckt.

Verbote verlagern, Regeln ordnen

„Ein ChatGPT-Verbot beendet die Nutzung nicht. Es beendet nur Ihr Wissen darüber.“ Wer die Nutzung auf private Geräte drängt, verliert Sichtbarkeit, Steuerung und Auskunftsfähigkeit zugleich. Eine Regelung mit freigegebener Alternative behält alle drei im Haus.

Was Schatten-KI beim Zulieferer anders macht als anderswo

In den meisten Branchen ist Schatten-KI zuerst ein Datenschutzthema: personenbezogene Daten in fremden Systemen, Auftragsverarbeitung ohne Vertrag. Beim Automobilzulieferer kommt eine zweite, oft schwerere Ebene hinzu. Die wertvollsten Daten im Haus gehören zu großen Teilen gar nicht dem Haus selbst: Kundenzeichnungen, Lastenheftauszüge, Toleranzangaben, Projektterminpläne des OEM. Wer solche Inhalte in ein fremdes Tool eingibt, bewegt sich in einem Vertragsverhältnis, lange bevor eine Datenschutzbehörde ins Spiel käme.

Die vertragliche Ebene: OEM-Vertraulichkeit

Liefervereinbarungen und Geheimhaltungsvereinbarungen mit OEMs und Tier-1-Kunden regeln, wer Zeichnungen, Spezifikationen und Projektinformationen sehen darf und an wen sie weitergegeben werden dürfen. Die Eingabe in ein öffentliches KI-Tool mit privatem Konto ist im Zweifel eine Weitergabe an einen Dritten, den der Kunde nie freigegeben hat. Das Risiko besteht unabhängig davon, ob der Anbieter die Eingaben zum Training nutzt oder nicht, denn schon die unkontrollierte Übermittlung verletzt die Zusage. Für die Geschäftsführung heißt das: Die Frage gehört in dieselbe Kategorie wie die Weitergabe von Zeichnungen an einen ungeprüften Unterlieferanten.

Der TISAX-Rahmen und die Auditfähigkeit

Die zweite Ebene ist das Assessment. TISAX, das Prüfverfahren der ENX Association auf Basis des VDA ISA in der aktuellen Version 6, verlangt einen nachweisbar geordneten Umgang mit vertraulichen Informationen, einschließlich der genutzten Dienste und der Datenflüsse. Ungeregelte KI-Nutzung mit Kundendaten ist genau die Art Befund, die in einem Assessment oder einem Kundenaudit unangenehm wird: kein Verzeichnis, keine Richtlinie, keine Schulungsnachweise. Welche Fragen Prüfer inzwischen konkret stellen, zeigt der Beitrag KI-Einsatz im Kundenaudit: was OEMs und TISAX-Prüfer inzwischen fragen. Wer die Ordnung erst nach der Auditankündigung beginnt, arbeitet unter dem denkbar schlechtesten Zeitdruck.

Die Inventur: welche Tools laufen, welche Daten fließen

Vor der Richtlinie steht die Bestandsaufnahme, und sie hat zwei Seiten. Die erste Frage lautet: Welche Tools werden tatsächlich genutzt? Die zweite, für den Zulieferer entscheidende: Welche Daten fließen dabei? Eine Inventur, die nur Tools zählt, übersieht den Kern des Risikos.

Die Tool-Inventur ohne Schuldzuweisung

Die ehrlichste Quelle sind die Beschäftigten selbst, und sie antworten nur, wenn die Inventur erklärtermaßen sanktionsfrei ist. Eine kurze anonyme Befragung je Bereich, ergänzt um eine Auswertung der Netzwerkzugriffe auf bekannte KI-Dienste, ergibt in zwei bis drei Wochen ein belastbares Bild. Die Auswertung technischer Protokolle gehört dabei früh mit dem Betriebsrat abgestimmt, denn eine Inventur, die als Überwachung wahrgenommen wird, vergiftet die spätere Akzeptanz der Richtlinie. Das Ziel ist eine Landkarte, kein Fahndungsergebnis.

Die Datenfluss-Inventur: das Zulieferer-Spezifikum

Je gefundenem Nutzungsfall wird erhoben, welche Datenarten eingegeben werden: freie Formulierungshilfe ohne Firmenbezug, interne Texte, Kundenkorrespondenz, Kalkulationsauszüge oder eben Konstruktions- und Zeichnungsdaten. Erfahrungsgemäß konzentrieren sich die kritischen Fälle auf wenige Stellen: Angebotserstellung, Arbeitsvorbereitung, Qualitätsdokumentation und die Beantwortung technischer Kundenanfragen. Genau dort ist der Nutzen der Tools am größten und die Vertraulichkeit am strengsten. Diese Häufung ist keine schlechte Nachricht, denn sie zeigt, wo eine freigegebene Alternative den größten Hebel hat.

Zwei Führungskräfte an einem Besprechungstisch mit einer ausgedruckten Tabelle von Abteilungen und Datenarten, eine Person setzt Markierungen mit einem Stift
Erst sichtbar machen, was läuft: die Bestandsaufnahme nach Abteilung und Datenart.

Schutzklassen: welche Daten in welches KI-Werkzeug dürfen

Eine Richtlinie, die je Einzelfall entscheidet, überfordert den Alltag. Eine Richtlinie, die pauschal alles verbietet, wird umgangen. Tragfähig ist eine Schutzklassen-Logik: Jede Datenart erhält eine Klasse, und jede Klasse legt fest, welcher KI-Einsatz zulässig ist. Vier Klassen reichen in der Praxis aus, und sie lassen sich in einer Schulungsstunde erklären.

Datenklasse Beispiel Zulässiger KI-Einsatz
Öffentlich Veröffentlichte Produkttexte, Stellenanzeigen, Messeunterlagen Jedes Tool, auch öffentliche Dienste mit privatem Konto
Intern Interne Anweisungen, Entwürfe ohne Kunden- und Personenbezug Nur freigegebene Tools mit Unternehmenskonto und Auftragsverarbeitungsvertrag
Vertraulich Kundenkorrespondenz, Kalkulationen, Lieferantenkonditionen, personenbezogene Daten Nur freigegebene Tools mit vertraglich gesichertem Datenraum, ohne Nutzung der Eingaben zum Training, EU-Datenverarbeitung bevorzugt
Streng vertraulich Kundenzeichnungen, Konstruktionsdaten, Lastenheftauszüge, Projektdaten des OEM Kein Einsatz in externen Tools ohne dokumentierte Einzelfreigabe; wenn überhaupt, dann in einer Umgebung, die dem TISAX-Rahmen und den Kundenvereinbarungen nachweislich genügt

Die Klasse folgt dabei der Herkunft und der vertraglichen Bindung der Daten, und nicht dem Gefühl des Einzelnen. Eine Bemaßungsskizze bleibt streng vertraulich, auch wenn nur drei Maße abgetippt werden, denn die Vertraulichkeitsvereinbarung unterscheidet nicht nach Umfang. Die Schutzklassen gehören sichtbar in die Richtlinie, in die Schulung und als Kurzfassung an jeden Arbeitsplatz, an dem mit Kundendaten gearbeitet wird.

Die Datenklasse entscheidet, nicht das Werkzeug

„Die richtige Frage ist nicht, ob ChatGPT erlaubt ist. Die richtige Frage ist, welche Daten in welches Werkzeug dürfen.“ Eine Schutzklassen-Logik macht aus einer Grundsatzdebatte eine Alltagsregel, die jeder Beschäftigte in Sekunden anwenden kann.

Der 90-Tage-Ordnungspfad: Inventur, Richtlinie, Alternative, Schulung

Die vier Bausteine entfalten ihre Wirkung in einer bestimmten Reihenfolge, und sie lassen sich in rund 90 Tagen in eine erste tragfähige Ordnung bringen. Der Pfad ist bewusst als Führungsvorhaben angelegt: Die Geschäftsführung gibt den Rahmen vor, die IT-Leitung verantwortet Auswahl und Betrieb der Alternative, die Fachbereiche liefern die Nutzungsfälle.

Phase Zeitraum Kernergebnis
Inventur Tage 1 bis 30 Landkarte der genutzten Tools und der betroffenen Datenklassen je Bereich
Richtlinie Tage 20 bis 50 KI-Richtlinie mit Schutzklassen, Zuständigkeiten und Freigabeweg, mit Betriebsrat abgestimmt
Freigegebene Alternative Tage 30 bis 75 Ein Unternehmenszugang zu einem geprüften KI-Dienst mit Auftragsverarbeitungsvertrag und gesichertem Datenraum, an den häufigsten Nutzungsfällen ausgerichtet
Schulung Tage 60 bis 90 Schulung aller betroffenen Beschäftigten gemäß Art. 4 KI-Verordnung, mit Nachweisführung

Warum die Alternative vor der Durchsetzung kommt

Die Richtlinie wird erst durchsetzbar, wenn die Alternative im Alltag angekommen ist. Wer zuerst sanktioniert und später liefert, bestätigt den Beschäftigten, dass der offizielle Weg der langsamere ist. Deshalb gehört die Auswahl der Alternative an die Nutzungsfälle aus der Inventur gebunden: Wenn die Angebotserstellung der häufigste Fall ist, muss das freigegebene Werkzeug genau dort spürbar helfen. Ein freigegebenes Tool, das niemand braucht, erzeugt die nächste Generation Schatten-KI.

Die Schulung als Pflicht und als Chance

Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Art. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, ihre Beschäftigten mit ausreichender KI-Kompetenz auszustatten. Für den Zulieferer ist das mehr als eine Pflichtübung: Die Schulung ist der Moment, in dem Schutzklassen, Richtlinie und Alternative zusammen erklärt werden, und der Nachweis der Schulung ist zugleich ein Baustein für Assessment und Kundenaudit. Eine gute Schulung dauert eine Stunde, arbeitet mit den echten Nutzungsfällen aus der Inventur und beantwortet die Frage, die alle stellen: Was darf ich ab morgen konkret tun?

Schulungsraum eines Mittelständlers mit gemischter Gruppe aus Büro und Fertigung, an der Wand eine einfache Vier-Zeilen-Übersicht mit farbigen Stufen
Regeln wirken nur, wenn alle sie kennen: Schulung für Büro und Fertigung gemeinsam.

Führung statt Kontrolle: wie die Regelung im Alltag trägt

Nach 90 Tagen existieren Richtlinie, Alternative und Schulungsnachweis. Ob die Ordnung hält, entscheidet sich danach, und zwar an drei Punkten. Erstens braucht die Regelung einen benannten Eigentümer, in der Regel gemeinsam bei IT-Leitung und einem Mitglied der Geschäftsführung, der neue Tools bewertet und die Schutzklassen pflegt. Zweitens braucht sie einen Rhythmus: Die Tool-Landschaft ändert sich schnell, eine halbjährliche Überprüfung von Inventur und Richtlinie ist realistisch. Drittens braucht sie einen offenen Kanal, über den Beschäftigte neue Werkzeuge vorschlagen können, ohne sich zu rechtfertigen.

Der letzte Punkt wird am häufigsten unterschätzt. Die Beschäftigten, die heute ChatGPT auf eigene Faust nutzen, sind dieselben, die morgen die besten Anwendungsfälle für das freigegebene System finden. Ein Haus, das diese Energie in einen geordneten Vorschlagsweg lenkt, gewinnt doppelt: Es schließt die Vertraulichkeitslücke und baut zugleich die KI-Nutzung dort aus, wo sie Wert schafft. Genau an dieser Stelle geht das Thema über Schatten-KI hinaus und wird zur Frage, wie verstreute KI-Nutzung zu einem geführten System wird.

Aus Schatten wird Vorsprung

„Die Beschäftigten, die heute heimlich ChatGPT nutzen, sind Ihre besten Scouts für morgen.“ Wer ihre Nutzungsfälle ernst nimmt und in geordnete Bahnen lenkt, verwandelt ein Compliance-Risiko in den Anfang einer belastbaren KI-Praxis.

Selbst-Check: fünf Fragen zur Schatten-KI in Ihrem Haus

Fünf Fragen zeigen in wenigen Minuten, ob Ihr Haus die ChatGPT-Nutzung im Griff hat oder in der stillen Duldung steckt.

  • Wissen Sie, welche KI-Tools in Ihren Bereichen heute tatsächlich genutzt werden?
  • Können Sie ausschließen, dass Konstruktions- oder Kundendaten in fremde Tools eingegeben werden?
  • Gibt es eine Richtlinie mit Schutzklassen, die jeder Beschäftigte kennt und anwenden kann?
  • Steht eine freigegebene Alternative bereit, die für die häufigsten Nutzungsfälle spürbar hilft?
  • Könnten Sie einem OEM-Auditor morgen Ihre Regelung und Ihre Schulungsnachweise vorlegen?

Bleiben zwei oder mehr Fragen offen, ist ein Discovery-Call der passende nächste Schritt.

Nächste Schritte

Wenn Sie wissen oder vermuten, dass in Ihrem Haus Kundendaten in fremde KI-Tools fließen, ist der erste Schritt keine Sperrliste. Der erste Schritt ist ein ehrliches Bild der Lage und eine Reihenfolge, die Beschäftigte mitnimmt. So gehen Sie vor:

  1. Discovery-Call über 30 Minuten, kostenlos und mit ehrlichem Fit-Check: Wir ordnen ein, wie weit die ungeregelte Nutzung in Ihrem Haus reicht und welche Datenklassen betroffen sind.
  2. Standortbestimmung: Wir erheben Tool-Nutzung und Datenflüsse je Bereich, ordnen sie in Schutzklassen und priorisieren die Nutzungsfälle für eine freigegebene Alternative.
  3. Ordnung und Betrieb: Wir begleiten Richtlinie, Einführung der Alternative und Schulung nach Art. 4 KI-Verordnung, bis die Regelung im Alltag trägt und gegenüber Kunden auskunftsfähig ist.
Reduziertes Schema auf hellem Grund mit vier aufeinander aufbauenden Stufen von der Bestandsaufnahme bis zum geregelten Betrieb
Vier Stufen von der Bestandsaufnahme zum geführten Betrieb: so wird Schatten-KI zur geordneten Nutzung.

Wie aus einzelnen geregelten Werkzeugen ein gemeinsames Fundament wird, ordnet der Beitrag Sie haben KI im Haus: was im Automotive-Mittelstand fehlt, ist das System dahinter. Die technische und rechtliche Seite der gesicherten Umgebung vertieft der Leitfaden KI DSGVO konform: TISAX, DSGVO und EU-Hosting für Ihre KI.

Wählen Sie bitte Ihren Wunschtermin direkt im Kalender aus.

FAQ

Was ist Schatten-KI im Zulieferbetrieb?
Schatten-KI bezeichnet die Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT durch Beschäftigte ohne Freigabe und ohne Regelung durch das Unternehmen, häufig über private Konten. Laut Bitkom wissen oder vermuten 2025 rund vier von zehn Unternehmen in Deutschland eine solche Nutzung im eigenen Haus. Beim Automobilzulieferer ist sie besonders heikel, weil dabei auch Konstruktionsdaten und Kundenzeichnungen in fremde Systeme gelangen können.
Warum reicht ein ChatGPT-Verbot nicht aus?
Weil das Verbot das Motiv der Nutzung nicht beseitigt. Der Work Trend Index von Microsoft und LinkedIn zeigt, dass 78 Prozent der KI-Nutzenden eigene Tools mit zur Arbeit bringen; eine Sperre im Firmennetz verlagert diese Nutzung auf private Geräte. Damit verliert das Unternehmen die Sichtbarkeit über die Datenflüsse, während das Risiko unverändert bestehen bleibt.
Welche Risiken entstehen, wenn Konstruktionsdaten in ChatGPT landen?
Konstruktionsdaten und Kundenzeichnungen stehen in der Regel unter Vertraulichkeitsvereinbarungen mit dem OEM oder Tier-1-Kunden. Die Eingabe in ein öffentliches Tool mit privatem Konto ist im Zweifel eine unzulässige Weitergabe an einen Dritten, unabhängig davon, ob der Anbieter die Daten zum Training nutzt. Hinzu kommen mögliche Verstöße gegen den TISAX-Rahmen und, bei Personenbezug, gegen die DSGVO.
Verletzt private KI-Nutzung unsere Verträge mit OEMs?
Das hängt von den konkreten Geheimhaltungs- und Liefervereinbarungen ab, die typischerweise die Weitergabe von Zeichnungen, Spezifikationen und Projektinformationen an Dritte regeln. Die unkontrollierte Übermittlung an einen externen KI-Dienst kann eine solche Weitergabe darstellen. Für die verbindliche Bewertung Ihrer Verträge ziehen Sie fachkundige rechtliche Beratung hinzu; organisatorisch hilft sofort eine klare Schutzklassen-Regel für streng vertrauliche Daten.
Was hat TISAX mit Schatten-KI zu tun?
TISAX, das Assessment-Verfahren der ENX Association auf Basis des VDA ISA in Version 6, verlangt einen nachweisbar geordneten Umgang mit vertraulichen Informationen, einschließlich der genutzten Dienste und Datenflüsse. Ungeregelte KI-Nutzung mit Kundendaten ist ein typischer Befund, der in Assessments und Kundenaudits Fragen auslöst. Eine dokumentierte Richtlinie, Schutzklassen und Schulungsnachweise machen das Haus auskunftsfähig.
Wie finden wir heraus, welche KI-Tools im Haus genutzt werden?
Über eine zweiteilige Inventur: eine erklärtermaßen sanktionsfreie Befragung der Beschäftigten je Bereich und eine mit dem Betriebsrat abgestimmte Auswertung der Netzwerkzugriffe auf bekannte KI-Dienste. Entscheidend ist die zweite Frage der Inventur, nämlich welche Datenarten dabei eingegeben werden. Ein belastbares Bild entsteht in zwei bis drei Wochen.
Welche Schutzklassen für Daten sind sinnvoll?
In der Praxis reichen vier Klassen: öffentlich, intern, vertraulich und streng vertraulich. Je Klasse legt die Richtlinie fest, welche KI-Werkzeuge zulässig sind, von frei nutzbaren Diensten für öffentliche Inhalte bis zum Ausschluss externer Tools für Kundenzeichnungen und Konstruktionsdaten ohne dokumentierte Einzelfreigabe. Die Klasse folgt der vertraglichen Bindung der Daten und lässt sich in einer Schulungsstunde vermitteln.
Was muss eine KI-Richtlinie für einen Zulieferbetrieb enthalten?
Mindestens die Schutzklassen mit Beispielen aus dem eigenen Haus, die Liste der freigegebenen Werkzeuge samt zulässiger Datenklassen, den Freigabeweg für neue Tools, Zuständigkeiten und den Umgang mit Verstößen. Wichtig ist die Abstimmung mit dem Betriebsrat und eine Sprache, die Beschäftigte ohne Rechtskenntnisse verstehen. Eine Richtlinie ohne freigegebene Alternative bleibt wirkungslos.
Sind wir verpflichtet, unsere Mitarbeitenden im KI-Einsatz zu schulen?
Ja. Art. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, seit dem 2. Februar 2025, ihre Beschäftigten mit ausreichender KI-Kompetenz auszustatten. Für Zulieferer ist die Schulung doppelt wertvoll, weil der Nachweis zugleich in Assessments und Kundenaudits trägt. Eine gute Schulung verbindet die Pflicht mit der praktischen Einführung von Schutzklassen und freigegebener Alternative.
Welche freigegebene Alternative zu ChatGPT kommt für Zulieferer infrage?
Geeignet sind Unternehmenszugänge zu KI-Diensten mit Auftragsverarbeitungsvertrag, gesichertem Datenraum und der Zusage, Eingaben nicht zum Training zu nutzen; für vertrauliche Daten ist eine EU-Datenverarbeitung zu bevorzugen. Die Auswahl folgt den Nutzungsfällen aus der Inventur, damit das freigegebene Werkzeug dort hilft, wo die Schatten-Nutzung am stärksten war. Für streng vertrauliche Konstruktionsdaten gelten zusätzlich die Anforderungen aus TISAX-Rahmen und Kundenvereinbarungen.
Wie lange dauert es, Schatten-KI in geordnete Bahnen zu bringen?
Eine erste tragfähige Ordnung ist in rund 90 Tagen erreichbar: Inventur in den ersten 30 Tagen, Richtlinie bis Tag 50, Einführung der freigegebenen Alternative bis Tag 75, Schulung aller betroffenen Beschäftigten bis Tag 90. Der Zeitpfad hängt von Größe und Datenlage des Hauses ab und wird in der Standortbestimmung konkretisiert. Dauerhaft trägt die Ordnung nur mit benanntem Eigentümer und regelmäßiger Überprüfung.
Welche Rolle spielt der Betriebsrat bei der Regelung?
Eine doppelte. Die Auswertung technischer Protokolle im Rahmen der Inventur berührt Mitbestimmungsrechte und gehört früh abgestimmt, damit die Bestandsaufnahme als Ordnung und Schutz verstanden wird. Zugleich ist der Betriebsrat ein Verbündeter bei Richtlinie und Schulung, weil eine klare Regelung auch die Beschäftigten vor unklaren Vorwürfen schützt.

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