Audit-Vorbereitung

KI-Einsatz im Kundenaudit: was OEMs und TISAX-Prüfer inzwischen fragen

sensified AI zeigt, welche Fragen OEM-Auditoren und TISAX®-Prüfer zu KI-Systemen stellen und welche Nachweise ein Zulieferer führen können muss, bevor das nächste Kundenaudit ansteht.

KI-Einsatz im Kundenaudit: was OEMs und TISAX-Prüfer inzwischen fragen

Die E-Mail kommt an einem Dienstag: Der Einkauf Ihres größten OEM-Kunden kündigt für das dritte Quartal ein Lieferantenaudit an, und auf der Agenda steht neben Informationssicherheit erstmals ein eigener Punkt zu KI-Systemen. Im Haus laufen seit zwei Jahren Assistenten im Angebotsprozess, ein Übersetzungswerkzeug in der technischen Dokumentation und je nach Abteilung einiges mehr. Was fehlt, ist die Antwort auf die einfachste Prüferfrage: Welche KI-Systeme setzen Sie ein, und mit welchen Daten arbeiten sie?

Dieser Beitrag beschreibt die Audit-Situation aus Sicht von Geschäftsführung und IT-Leitung eines Zulieferers mit OEM-Direktgeschäft: welche Fragen kommen, welche Nachweise erwartet werden und wie der Nachweispfad entsteht, bevor der Auditor fragt. Er vertieft damit die Ausgangslage des Beitrags Sie haben KI im Haus: was im Automotive-Mittelstand fehlt, ist das System dahinter. sensified AI begleitet diesen Weg als strategische KI-Leitung, von der Inventur bis zum System, das Audits ohne Sonderaufwand trägt.

  • Was ist das? Ein Leitfaden für das Kundenaudit beim Automobilzulieferer: die typischen Prüferfragen zu KI-Systemen, die erwarteten Nachweise und der Aufbau eines Nachweispfads, der Audits und Assessments trägt.
  • Warum jetzt relevant? Seit dem 1. September 2025 gilt im Volkswagen-Konzernumfeld mit den Škoda-Leitlinien für KI-Lieferanten ein öffentlich dokumentiertes Regelwerk, und 93 Prozent der Automobilunternehmen haben laut KPMG (2026) eine eigene KI-Strategie. Die Prüffragen wandern damit in die Lieferkette.
  • Welches konkrete Ergebnis? Eine Nachweistabelle mit Prüferfrage, erwartetem Nachweis und typischer Lücke sowie ein Vorgehen, mit dem Ihr Haus vor dem nächsten Audit auskunftsfähig wird.

OEM-Auditoren fragen zu Künstlicher Intelligenz (KI) typischerweise sechs Dinge: ein vollständiges Inventar der eingesetzten KI-Systeme, die Datenflüsse je System, die Zugriffs- und Berechtigungslage, das Betreibermodell samt Hosting-Standort, Schulungs- und Kompetenznachweise für die Beschäftigten sowie den geregelten Umgang mit Kundendaten in KI-Werkzeugen. Erwartet werden dokumentierte und aktuell gehaltene Nachweise, keine mündlichen Zusicherungen. Grundlage sind vertragliche Anforderungen der Hersteller, öffentlich dokumentierte Lieferanten-Leitlinien wie die der Škoda Auto a.s. (Version 1.0, September 2025) und die Prüfpraxis rund um TISAX®, das Assessment-Verfahren der ENX Association auf Basis des VDA ISA.

  • Was: eine geordnete Vorbereitung auf Kundenaudits, die KI-Systeme zum Prüfgegenstand machen.
  • Wer profitiert: Geschäftsführung und IT-Leitung von Automobilzulieferern mit OEM-Direktgeschäft und 250 bis 2.000 Mitarbeitenden im DACH-Raum.
  • Welches Ergebnis: ein belastbarer Nachweispfad, der Auditfragen beantwortet, bevor sie gestellt werden.

Quelle: sensified AI, strategische KI-Leitung für den Mittelstand, 2026.

Kennzahl Wert Quelle / Stand
Automobilunternehmen mit eigener KI-Strategie 93 % KPMG, Branchenreport Automotive, 2026
Unternehmen, die KI in mindestens einer Funktion nutzen 88 % McKinsey, The State of AI, 2026
Industrieunternehmen, die KI für wettbewerbsentscheidend halten 82 % Bitkom, 2025
Škoda-Lieferanten-Leitlinie für KI-Systeme in Kraft seit 01.09.2025 Škoda Auto a.s., vwgroupsupply.com, 2025
Nachfolgekatalog ISA2027 verbindlich für neu beauftragte Assessments ab 01.01.2027 VDA / ENX Association, 2026

Die Zahlen dienen der Orientierung; maßgeblich ist die konkrete Vertrags- und Nachweislage gegenüber Ihren Kunden in Ihrem Haus.

  • Kundenaudits prüfen KI inzwischen als Teil der Informationssicherheit und der Lieferantenpflichten. Wer KI produktiv nutzt, braucht dafür denselben Ordnungsgrad wie für jedes andere System, das Kundendaten berührt.
  • Die häufigste Schwachstelle ist kein technischer Mangel. Es fehlt das Inventar: Niemand kann vollständig sagen, welche KI-Werkzeuge im Haus mit welchen Daten arbeiten.
  • Ein Nachweispfad entsteht vor dem Audit. Wer erst nach der Terminankündigung beginnt, dokumentiert unter Zeitdruck und übersieht genau die Lücken, die der Prüfer findet.

Quelle: sensified AI, 2026.

Warum KI jetzt Teil des Kundenaudits ist

Lieferantenaudits folgen dem Risiko. Solange KI in Pilotprojekten lief, war sie für Auditoren ein Randthema. Inzwischen arbeiten KI-Systeme in Angebotsprozessen, Dokumentation und Entwicklung vieler Zulieferer mit Daten, die dem Kunden gehören oder ihn unmittelbar betreffen. Genau damit rückt der KI-Einsatz in den Prüfumfang von Kundenaudits, Lieferantenbewertungen und Assessment-Verfahren.

Öffentlich dokumentiert: Lieferanten-Leitlinien im Volkswagen-Konzernumfeld

Dass diese Entwicklung keine Vermutung ist, lässt sich öffentlich nachlesen. Die Škoda Auto a.s. hat zum 1. September 2025 eigene Leitlinien für Lieferanten von KI-Systemen veröffentlicht (Guidelines for Suppliers in the Field of Artificial Intelligence Systems, Version 1.0, abrufbar über die Beschaffungsplattform des Volkswagen-Konzerns). Sie verpflichten Lieferanten unter anderem, vor der Lieferung zu prüfen, ob ein System die Kriterien eines Hochrisiko-KI-Systems nach der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 erfüllt, ein Risikomanagement zu betreiben, Systeme vor Auslieferung zu testen und technische Dokumentation samt Benutzerhandbuch zu übergeben. Die Mitwirkungspflichten gelten über den gesamten Lebenszyklus des Systems.

Auch die Einkaufsbedingungen der Volkswagen AG für IT-Leistungen enthalten seit 2023 eine eigene KI-Ziffer: Vertragsleistungen dürfen KI nur enthalten, wenn das ausdrücklich vereinbart oder vorab in Textform genehmigt wurde; der Lieferant muss menschliche Kontrolle, technische Robustheit, Datenqualität und Erklärbarkeit sicherstellen und die Dokumentation auf Nachfrage vorlegen. Der Code of Conduct für Geschäftspartner des Konzerns verankert Datenschutz, Datensicherheit und menschliche Kontrolle als Grundvoraussetzung jedes KI-Einsatzes. Andere Hersteller arbeiten mit vergleichbaren vertraglichen Anforderungen, auch dort, wo sie kein eigenes Leitlinien-Dokument veröffentlicht haben.

Vom Vertragstext zur Prüferfrage

Was im Vertragswerk steht, wird im Audit abgefragt. Der Prüfer will dabei selten wissen, ob Ihr Haus KI einsetzt; das setzt er voraus. Er will wissen, ob der Einsatz geführt ist: ob es eine Übersicht gibt, ob Verantwortung benannt ist, ob Kundendaten geschützt sind und ob die Beschäftigten wissen, was erlaubt ist. Verstärkt wird das durch die Informationssicherheits-Anforderungen der Hersteller, die für den Zugriff auf vertraulich klassifizierte Informationen ein gültiges TISAX®-Label voraussetzen. Die KI-Fragen erreichen einen Zulieferer deshalb auf zwei Wegen zugleich: im Kundenaudit des einzelnen OEM und in der Assessment-Vorbereitung des eigenen Hauses.

Was OEM-Auditoren zu KI-Systemen konkret fragen

Die Fragen unterscheiden sich im Wortlaut von Kunde zu Kunde, im Kern sind sie erstaunlich gleichförmig. Wer die sechs Fragefelder kennt, kann sich vorbereiten, ohne den konkreten Fragebogen zu kennen.

Die sechs Fragefelder

Erstens das Inventar: Welche KI-Systeme sind im Einsatz, wofür, mit welchem Eigentümer? Zweitens die Datenflüsse: Welche Daten verlassen das Haus in Richtung welcher Anbieter, und wo werden sie verarbeitet? Drittens die Zugriffe: Wer darf welche Systeme nutzen, wie werden Berechtigungen vergeben und entzogen? Viertens das Betreibermodell: Läuft das System im eigenen Haus, bei einem EU-Anbieter oder in einer Anbieter-Cloud außerhalb Europas, und wer trägt die Betreiberverantwortung? Fünftens der Schulungsnachweis: Sind die Beschäftigten im Umgang mit KI geschult, wie es Art. 4 der KI-Verordnung seit dem 2. Februar 2025 verlangt, und ist das belegbar? Welche Pflichten daraus in welcher Reihenfolge folgen, ordnet der Beitrag EU AI Act für Automobilzulieferer: Betroffenheit, Pflichten, Reihenfolge. Sechstens der Umgang mit Kundendaten: Ist geregelt, geschult und technisch abgesichert, welche Kundendaten in welche KI-Werkzeuge dürfen?

Woran Prüfer eine belastbare Antwort erkennen

Erfahrene Auditoren prüfen weniger das Dokument als seine Verankerung. Sie vergleichen das Inventar mit dem, was Mitarbeitende im Gespräch nebenbei erwähnen. Sie schauen auf Versionsstände und Pflegedaten: Eine KI-Richtlinie mit Stand von vor zwei Jahren, in der aktuelle Werkzeuge fehlen, sagt mehr als ihr Inhalt. Und sie stellen Stichprobenfragen quer durch die Ebenen: Wenn die Geschäftsführung ein anderes Betreibermodell beschreibt als die IT-Leitung, ist die Lücke gefunden, bevor ein einziges Dokument geöffnet wurde.

Das Audit prüft Ordnung, keine Technologie

„Kein Auditor beanstandet, dass Sie KI einsetzen. Beanstandet wird, dass niemand sagen kann, wo.“ Die Prüflogik hinter allen sechs Fragefeldern ist dieselbe: Führung sichtbar machen. Ein Haus, das Inventar, Datenflüsse und Zuständigkeiten benennen kann, besteht auch dann, wenn einzelne Antworten noch Baustellen zeigen.

Nachweise führen: Frage, erwarteter Nachweis, typische Lücke

Aus den sechs Fragefeldern folgt eine konkrete Arbeitsgrundlage: Für jede Prüferfrage muss ein Nachweis existieren, der ohne Vorlauf vorgelegt werden kann. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was in Kundenaudits erwartet wird und woran es in der Praxis am häufigsten fehlt.

Schreibtisch einer IT-Leiterin mit ausgedruckter Nachweistabelle, daneben ein Textmarker und ein Laptop mit geöffneter Systemübersicht
Die Nachweistabelle beantwortet die Auditfrage, bevor sie gestellt wird.
Prüferfrage Erwarteter Nachweis Typische Lücke
Welche KI-Systeme sind im Einsatz? Gepflegtes KI-Inventar mit Eigentümer, Zweck und Datenkategorien je System Inventar fehlt oder kennt nur die offiziell beschafften Werkzeuge
Welche Daten fließen an welche Anbieter? Datenflussübersicht je System, Verarbeitungsstandorte, Auftragsverarbeitungsverträge Datenflüsse wurden nie erhoben; Browser-Werkzeuge laufen außerhalb jeder Übersicht
Wer hat Zugriff, und wie wird er vergeben? Berechtigungskonzept, Rollenmodell, dokumentierter Entzug beim Austritt Sammelkonten, private Zugänge, kein nachvollziehbarer Entzugsprozess
Wer betreibt die Systeme, und wo? Betreibermodell je System mit Hosting-Standort und Vertragslage Niemand kann Hosting-Standort und Vertragspartner je Werkzeug benennen
Sind die Beschäftigten geschult? Schulungskonzept und Teilnahmenachweise gemäß Art. 4 der KI-Verordnung Einmalige Informationsveranstaltung ohne Nachweisführung und ohne Auffrischung
Wie ist der Umgang mit Kundendaten geregelt? Freigaberegeln je Datenklasse, technische Sperren, dokumentierte Ausnahmen Regel existiert auf Papier, wird aber weder geschult noch technisch durchgesetzt
Wie werden Änderungen an KI-Systemen kontrolliert? Freigabe- und Änderungsprozess mit benanntem Verantwortlichen je System Updates und neue Funktionen erscheinen unbemerkt im laufenden Betrieb

Die Tabelle ist bewusst als Arbeitsdokument gedacht: Wer sie Zeile für Zeile für das eigene Haus beantwortet, hat die Lückenliste für die Audit-Vorbereitung bereits in der Hand. Die rechte Spalte ist dabei die ehrlichste: In fast jedem Haus, das KI ohne geführte Architektur eingeführt hat, treffen mindestens drei der sieben Lücken zu.

TISAX® richtig einordnen: was das Assessment prüft

Rund um Audits fällt früh der Begriff TISAX, oft mit falschen Erwartungen in beide Richtungen. Eine saubere Einordnung erspart teure Missverständnisse, in der Vorbereitung wie im Kundengespräch.

Assessment-Verfahren der ENX Association, kein Produktzertifikat

TISAX® ist das Assessment-Verfahren der ENX Association für Informationssicherheit in der Automobilindustrie, geprüft wird auf Basis des Fragenkatalogs VDA ISA. Gegenstand ist das Managementsystem eines Unternehmens an definierten Standorten: Wie reif sind Prozesse für Informationssicherheit, Datenschutz und gegebenenfalls Prototypenschutz? TISAX zertifiziert also weder ein Produkt noch ein einzelnes KI-System. KI-Systeme fallen in den Geltungsbereich, weil sie Informationen verarbeiten: Ihre Datenflüsse, Zugriffe, Anbieterbeziehungen und Betriebsprozesse müssen sich in das geprüfte Managementsystem einfügen. Ein bestehendes Label belegt die Reife dieses Systems, es beantwortet aber keine einzige der sechs KI-Fragen von selbst.

Von ISA 6.0.3 zu ISA2027

Aktuell werden neu beauftragte Assessments auf Basis des Katalogs VDA ISA 6.0.3 durchgeführt. Zum 1. Juli 2026 hat der VDA den Nachfolgekatalog ISA2027 veröffentlicht; er ist für Assessments verbindlich, die ab dem 1. Januar 2027 beauftragt werden, bestehende Labels behalten ihre Gültigkeit. Für die Planung heißt das: Wer 2027 ein Erst- oder Folge-Assessment beauftragt, wird nach dem neuen Katalog geprüft und sollte seine KI-Systeme schon heute so in das Managementsystem einordnen, dass Datenflüsse, Anbieter und Zuständigkeiten dokumentiert sind. Diese Ordnung trägt unabhängig davon, welcher Katalog zum Prüfzeitpunkt gilt.

Ein Label ist kein KI-Nachweis

„Ihr TISAX®-Label belegt Ihr Managementsystem. Es beantwortet noch keine einzige KI-Frage Ihres Kunden.“ Wer das Label im Audit als Gesamtantwort auf KI-Fragen anbietet, wirkt unvorbereitet. Wer es als Fundament nutzt und die KI-Nachweise darauf aufsetzt, wirkt geführt, und genau diesen Eindruck prüft der Auditor.

Den Nachweispfad aufbauen, bevor der Auditor fragt

Ein Nachweispfad ist die Kette von der Regel über die Umsetzung bis zum Beleg. Er lässt sich nicht in der Woche vor dem Audit erzeugen, denn seine Glaubwürdigkeit hängt an Pflegedaten und gelebter Praxis. Der Aufbau folgt einer klaren Reihenfolge.

Reduziertes Schema auf hellem Grund mit drei verbundenen Feldern für Inventar, Regeln und Belege, dargestellt als durchgehender Pfad mit Pfeilen
Inventar, Regeln, Belege: drei Felder, die im Audit zusammenhängen müssen.

Inventur zuerst: alle Systeme, auch die inoffiziellen

Der erste Schritt ist die vollständige Inventur, und vollständig heißt: einschließlich der Werkzeuge, die nie offiziell beschafft wurden. In den meisten Häusern nutzen Beschäftigte frei verfügbare KI-Dienste im Browser, mit guten Absichten und ohne Freigabe. Für das Audit ist das die gefährlichste Kategorie, weil hier Kundendaten unbemerkt das Haus verlassen können. Wie sich diese Nutzung erheben und in geordnete Bahnen bringen lässt, ohne die Belegschaft zu blockieren, beschreibt der Beitrag Schatten-KI im Zulieferbetrieb: ChatGPT-Nutzung regeln statt verbieten. Für den Nachweispfad zählt das Ergebnis: ein Inventar, das alle Systeme kennt und je System Eigentümer, Zweck und Datenkategorien benennt.

Vom Inventar zum lebenden Nachweis

Auf das Inventar setzen die übrigen Nachweise auf: Datenflüsse und Verarbeitungsstandorte je System, das Betreibermodell mit Vertragslage, Freigaberegeln je Datenklasse, Schulungen mit Teilnahmenachweis und ein Änderungsprozess, der neue Werkzeuge und Funktionsupdates erfasst, bevor sie produktiv sind. Entscheidend ist der Pflegezyklus: Jedes Dokument braucht einen Verantwortlichen und ein Prüfdatum. Ein Nachweis, der einmal erstellt und nie aktualisiert wurde, fällt im zweiten Audit auf, spätestens wenn der Prüfer ein Werkzeug erwähnt, das im Inventar fehlt.

Auskunftsfähigkeit ist ein Zustand

„Ein Nachweispfad ist kein Ordner, den man vor dem Audit füllt. Er ist ein Zustand, den das Haus hält.“ Der Unterschied zeigt sich an einer einzigen Frage: Könnten Sie die Nachweise auch morgen vorlegen, ohne dass jemand dafür ein Wochenende durcharbeitet? Wenn ja, ist der Pfad gebaut. Wenn nein, existiert er nur als Absicht.

Wer im Haus auskunftsfähig sein muss

Im Audit sitzen selten die Menschen am Tisch, die die Systeme täglich bedienen. Auskunftsfähig sein müssen die Führungsebenen: die Geschäftsführung für Verantwortung, Betreibermodell und Lieferantenpflichten, die IT-Leitung für Inventar, Datenflüsse, Zugriffe und Änderungsprozesse. Wenn beide dieselben Antworten geben, ist das für den Prüfer das stärkste Signal, das ein Zulieferer senden kann, stärker als jedes einzelne Dokument.

Bewährt hat sich ein benannter Verantwortlicher für den KI-Einsatz, der die Nachweise führt und als feste Anlaufstelle für Auditfragen dient, dazu eine interne Generalprobe: dieselben sechs Fragefelder, gestellt von jemandem, der die Antworten nicht kennt. Was in der Probe ins Stocken gerät, gerät im Audit ins Stocken. Die Fachbereiche liefern zu, tragen aber keine Auskunftspflicht allein; ein Vertriebsleiter, der im Audit improvisiert erklären muss, welches Werkzeug seine Angebotstexte erzeugt, ist ein vermeidbares Risiko.

Selbst-Check: fünf Fragen vor dem nächsten Kundenaudit

Fünf Fragen zeigen in wenigen Minuten, ob Ihr Haus heute auskunftsfähig wäre.

  • Können Sie innerhalb eines Tages ein vollständiges Inventar aller KI-Systeme mit Eigentümer und Datenkategorien vorlegen?
  • Wissen Sie je System, welche Daten das Haus verlassen und an welchem Standort sie verarbeitet werden?
  • Gibt es Schulungsnachweise, die den Anforderungen des Art. 4 der KI-Verordnung standhalten?
  • Ist der Umgang mit Kundendaten in KI-Werkzeugen geregelt, geschult und technisch durchgesetzt?
  • Würden Geschäftsführung und IT-Leitung auf die Frage nach dem Betreibermodell dieselbe Antwort geben?

Bleiben zwei oder mehr Fragen offen, ist ein Discovery-Call der passende nächste Schritt.

Nächste Schritte

Wenn in Ihrem Haus KI produktiv läuft und das nächste Kundenaudit absehbar ist, beginnt die Vorbereitung mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme entlang der Nachweistabelle. So gehen Sie vor:

  1. Discovery-Call über 30 Minuten, kostenlos und mit ehrlichem Fit-Check: Wir ordnen ein, wo Ihr Haus in der Audit-Vorbereitung steht und welche der sieben Lücken zuerst zu schließen sind.
  2. Standortbestimmung: Wir erheben Inventar, Datenflüsse, Betreibermodell und Schulungsstand und gleichen sie mit den vertraglichen Anforderungen Ihrer Kunden ab.
  3. System und Nachweispfad: Wir überführen die Ergebnisse in eine geführte Architektur mit gepflegten Nachweisen, die Kundenaudits und Assessments ohne Sonderaufwand trägt.
Drei-Stufen-Schema auf hellem Grund: Inventar erheben, Nachweise ordnen, Auskunftsfähigkeit halten
Auskunftsfähigkeit ist ein Zustand, kein Dokument: erheben, ordnen, aktuell halten.

Wie EU-Hosting, Datenschutz und Assessment-Anforderungen in einer KI-Architektur zusammenkommen, vertieft der Beitrag KI DSGVO konform: TISAX, DSGVO und EU-Hosting für Ihre KI.

Wählen Sie bitte Ihren Wunschtermin direkt im Kalender aus.

FAQ

Was fragen OEM-Auditoren zu KI-Systemen?
Die Fragen konzentrieren sich auf sechs Felder: das Inventar der eingesetzten KI-Systeme, die Datenflüsse je System, die Zugriffs- und Berechtigungslage, das Betreibermodell samt Hosting-Standort, Schulungs- und Kompetenznachweise sowie den Umgang mit Kundendaten in KI-Werkzeugen. Erwartet werden dokumentierte, aktuell gehaltene Nachweise. Geprüft wird damit weniger die Technologie als die Führung des KI-Einsatzes.
Gibt es öffentlich dokumentierte OEM-Leitlinien für den KI-Einsatz bei Lieferanten?
Ja. Die Škoda Auto a.s. hat zum 1. September 2025 eigene Leitlinien für Lieferanten von KI-Systemen veröffentlicht, abrufbar über die Beschaffungsplattform des Volkswagen-Konzerns. Auch die IT-Einkaufsbedingungen der Volkswagen AG und der Code of Conduct für Geschäftspartner des Konzerns enthalten verbindliche KI-Anforderungen, etwa Zustimmungspflichten, menschliche Kontrolle und Dokumentation auf Nachfrage.
Ist TISAX® eine Zertifizierung für KI-Systeme?
Nein. TISAX® ist das Assessment-Verfahren der ENX Association für Informationssicherheit in der Automobilindustrie auf Basis des Fragenkatalogs VDA ISA. Geprüft wird das Managementsystem eines Unternehmens an definierten Standorten. KI-Systeme fallen in den Geltungsbereich, weil sie Informationen verarbeiten; ein Label ist aber kein Nachweis für einzelne KI-Systeme.
Welche Nachweise verlangt ein Kundenaudit zum KI-Einsatz?
Den Kern bilden sieben Nachweise: ein gepflegtes KI-Inventar, Datenflussübersichten je System, ein Berechtigungskonzept, das dokumentierte Betreibermodell, Schulungsnachweise, Freigaberegeln für Kundendaten je Datenklasse und ein Änderungsprozess für neue Werkzeuge und Updates. Jeder Nachweis braucht einen Verantwortlichen und ein Prüfdatum, damit er im Audit als gelebt erkennbar ist.
Welche Rolle spielt der EU AI Act im Kundenaudit?
Die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 verpflichtet Unternehmen seit dem 2. Februar 2025 zur KI-Kompetenz der Beschäftigten (Art. 4), und Auditoren fragen zunehmend nach entsprechenden Schulungsnachweisen. Zusätzlich verlangen Lieferanten-Leitlinien wie die der Škoda Auto a.s. eine Einstufung, ob gelieferte Systeme Hochrisiko-Kriterien der Verordnung erfüllen. Vertragspflicht und Gesetzespflicht greifen im Audit also ineinander.
Was ist ein KI-Inventar, und was gehört hinein?
Ein KI-Inventar ist die vollständige Übersicht aller KI-Systeme im Haus, einschließlich frei verfügbarer Dienste, die ohne offizielle Beschaffung genutzt werden. Je System gehören hinein: Eigentümer, Einsatzzweck, verarbeitete Datenkategorien, Anbieter, Hosting-Standort und Vertragsstatus. Das Inventar ist der erste Nachweis, den Auditoren sehen wollen, und die Grundlage aller weiteren.
Was ist, wenn Mitarbeitende bereits Kundendaten in freie KI-Dienste eingegeben haben?
Dann ist das zuerst ein Fall für eine nüchterne Bestandsaufnahme: welche Daten, welcher Dienst, welcher Zeitraum. Je nach Datenart können Melde- oder Informationspflichten bestehen, etwa aus der DSGVO oder aus Vertraulichkeitsklauseln des Kundenvertrags; das gehört in rechtliche Prüfung. Für das Audit zählt, dass der Vorfall erkannt, bewertet und mit Regeln und technischen Sperren beantwortet wurde.
Reicht unser bestehendes TISAX®-Label als Nachweis für den KI-Einsatz?
Als Fundament ja, als Antwort nein. Das Label belegt die Reife Ihres Managementsystems für Informationssicherheit, es beantwortet aber keine der konkreten KI-Fragen nach Inventar, Datenflüssen oder Betreibermodell. Auditoren erwarten, dass die KI-Nachweise auf dem Managementsystem aufsetzen und dieselbe Pflegequalität zeigen.
Ändert der neue Katalog ISA2027 die Vorbereitung?
Der VDA hat ISA2027 am 1. Juli 2026 veröffentlicht; der Katalog gilt für Assessments, die ab dem 1. Januar 2027 beauftragt werden, während bestehende Labels gültig bleiben. Für die KI-Vorbereitung ändert sich am Kern wenig: Inventar, Datenflüsse, Zugriffe und Betreibermodell müssen unabhängig vom Katalogstand dokumentiert sein. Wer diese Ordnung hat, besteht unter beiden Katalogen.
Wie schnell lässt sich ein belastbarer Nachweispfad aufbauen?
Das hängt vom Ausgangszustand ab: von der Zahl der Systeme, der Qualität vorhandener Dokumentation und davon, ob eine Inventur bereits existiert. Seriös ist, mit einer Standortbestimmung zu beginnen und die Reihenfolge der Lücken daraus abzuleiten. Pauschale Terminzusagen vor dieser Bestandsaufnahme sind kein belastbares Fundament.
Wer sollte im Audit zu KI-Systemen Auskunft geben?
Geschäftsführung und IT-Leitung gemeinsam: die Geschäftsführung zu Verantwortung, Betreibermodell und Lieferantenpflichten, die IT-Leitung zu Inventar, Datenflüssen, Zugriffen und Änderungsprozessen. Ein benannter Verantwortlicher für den KI-Einsatz, der die Nachweise führt, entlastet beide. Widersprüchliche Antworten zwischen den Ebenen sind für Prüfer das deutlichste Warnsignal.
Ersetzt dieser Beitrag eine rechtliche Beratung?
Nein. Er ordnet die Audit-Situation strategisch für die Führungsebene ein. Für die verbindliche Auslegung von Kundenverträgen, Lieferanten-Leitlinien, DSGVO-Pflichten und der KI-Verordnung in Ihrem konkreten Fall ziehen Sie bitte fachkundige rechtliche Beratung hinzu.

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